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Ausgewählte Werke von Luc Tuymans
Luc Tuymans
Still Life
2002, Öl auf Leinwand
347 x 500cm |
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Durch ihr Entblößen der Lücke zwischen dem dargestellten Bild und dem historischen Ereignis tauchen Luc Tuymans Bilder ein in die innere Funktionsweise der Schaffung von Mythologie. Die Wirklichkeit von Luc Tuymans Arbeit ist beinahe "niedlich", gefällige Bilder eines Lampenschirms oder eines Vorlegers aus Leopardenfell gehen relativ problemlos als ästhetische Totems durch; es ist nur ihre kognitive Assoziation mit dem Holocaust oder den Grausamkeiten des Belgisch-Kongo, welche die wahre Banalität des Bösen auf den Punkt bringt - den unaussprechlichen Horror einer Teetasse, die monströsen Möglichkeiten einer leeren Badewanne. In Luc Tuymans Bildern mangelt es bewusst extrem an den symbolischen, passenden Spuren, die als gefälschte Embleme für das verwendet werden, was nicht ausgesprochen werden kann. Die Größe des Bildes an sich macht seine Betrachtung beinahe unmöglich: eine riesige Leinwand, welche das absolute Nichts darstellt. Die Einfachkeit von Luc Tuymans Komposition spielt auf eine reine und ungestörte Weltordnung an; das flüchtige Licht, in dem die Leinwand zu leuchten scheint, situiert sie als ein episches Meisterwerk der metaphysischen und spirituellen Betrachtung. Als Antwort auf den unvorstellbaren Schrecken bietet Luc Tuymans das Sublime. Eine klaffende Magnitude der Ohnmächtigkeit, die weder Worte noch Zeichnungen je ausdrücken können.
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Luc Tuymans
Maypole
2000, Öl auf Leinwand
224 x 116cm |
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Wenn Bilder in den Medien die Schrecken der Realität nicht hinreichend darstellen können, so sind Luc Tuymans Zeichnungen sogar noch erschreckender losgelöst. Dadurch, dass er seine Symbolik häufig aus veröffentlichten Photos (des Krieges, der Gewalt, der Unterwerfung) gewinnt, sind seine Zeichnungen die Antithese dieser historischen Ikonographie: stumpfe Töne, undeutliche, nichts beschreibende Szenen, denen die emotionale Propaganda genommen wurde.Obwohl das Bild in der verblichenen Sprache der Nostalgie gezeichnet ist, ist "Maypole" doch seltsam leer: durch den Mangel an Mitgefühl oder Moral schafft Luc Tuymans eine Szene, die zweifach entfernt ist und macht sie menschlich-impulsiv.
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Luc Tuymans
Within
2001, Öl auf Leinwand
223 x 243cm |
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Luc Tuymans zeichnet das Unbeschreibbare. Seine dunklen, gedämpften Szenen erscheinen irgendwie bekannt, entfernt, wie Erinnerungen, die einen heimsuchen. Luc Tuymans zieht seine Inspirationen aus den großen Themen und tappt dabei in universelle gesellschaftliche Schuld hinein: vom Holocaust über den Imperialismus bis hin zum Kindesmissbrauch. Durch die Minimalisierung seiner Symbole erschafft er durch die Farbe eine rohe Emotion; jede Zeichnung schafft spirituell und irgendwie instinktiv eine Verbindung mit den restlichen. "Within" ist eine friedliche Gewürmmetaphor für Verschmutzung und Krankheit. Diese Zeichnung, ein detaillierter Vogelkäfigs in Großaufnahme, bringt die Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Isolation mehr als gut herüber: schon allein durch seine Größe und Wirksamkeit fängt es den Betrachter im wahrsten Sinne des Worte ein und verschluckt ihn in ein Gefängnis des kollektiven Gewissens.
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Luc Tuymans
Pigeons
2001, Öl auf Leinwand
128 x 156cm |
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Luc Tuymans Tauben hüpfen in dummer Unordnung herum. Verdreckt und voller Krankheiten sind sie eine seltsam neugierig Menge, stehen auf metaphorische Weise für uns selbst. In den gedämpften Tönen der Geschichte gezeichnet bietet Luc Tuymans eine abschreckende ultimative Wahrheit über die Menschheit. Er macht aus einem angsteinflössenden Gedanken eine eiskalte Komödie.
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Luc Tuymans
Portrait
2000, Öl auf Leinwand
57 x 30cm |
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Ritual und Tradition spielen eine große Rolle in Luc Tuymans Arbeiten, berufen sich auf den Trost durch Wiederholung, das blinde Vertrauen nicht in Frage gestellter Gewohnheiten. "Portrait", basierend auf einem Totentributphoto, der Art von Erinnerungsstück, das unter den trauernden Liebenden in Luc Tuymans Heimatland Belgien herumgereicht wird, ist ein Bild sowohl voller Erinnerung als auch Inkonsequenz. Der melancholische Ausdruck der Frau und ihre kränkliche Gesichtsfarbe erinnern weniger an das leuchtende Leben als an die unterschwellige Vorahnung des Todes; ihre geschätzte Erinnerung nichts als ein Geist - verblichen und schrumpfend, als ob es sie niemals gegeben hätte. Alles was verbleibt, sind ihr schwarzes Kleid und ihre Brille, unheimliche und anonyme Requisiten, einsame Reliquien ohne Gefühl oder Vertrautheit.
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Luc Tuymans
Ceiling
1993, Öl auf Leinwand
30 x 50cm |
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"Ceiling", Luc Tuymans abgeschnittenes Bild von Flößern, wurde als Widerspruch geschaffen, der sowohl die klinische Abstraktion der formalistischen Malerei und etwas Erkennbares und höchst Vertrautes andeutet. Es ist diese Duplizität der Illusion, die sich im Zentrum von Luc Tuymans Arbeiten befindet: fragmentierte und aus dem Kontext gelöste Szenen verlieren ihre "Aura" niemals vollständig. In ihrer kühlen und weltabgewandten Schönheit sind Luc Tuymans Zeichnungen so flüchtig wie Geister; sie scheinen für immer aus ihrem Inneren heraus heimgesucht zu werden. |
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